Was steckt wirklich hinter dem Trend Ölziehen?

Wir klären die wichtigsten Fakten rund um das gehypte Ritual und teilen unsere Erfahrung mit der Ayurveda-Methode.

Ölziehen ist derzeit in aller Munde. Das ayurvedische Gesundheitsritual auch Kavala oder Gundusha genannt, soll den Körper als ganzheitliche Methode bei der Reinigung unterstützen.

Warum ist die Methode jetzt erst so populär geworden und was kann sie wirklich?

Wir haben die wichtigsten Fakten rund ums Oil Pulling zusammengefasst und teilen unsere Erfahrungswerte aus unserem 4-Wochen-Test mit euch.


Was ist Ölziehen?

Ölziehen ist ein altes ayurvedisches Ritual, was seit Jahrhunderten in Indien angewendet wird. Das erste Mal kommt die Methode in der Charaka Samhita (einer der ältesten Sanskrit Texte über Ayurveda) vor.

Der Arzt Fedor Karach steckte mit seiner Begeisterung für die Methode 1990er Jahren viele Menschen in Deutschland an. Über die Verbreitung im Internet hat die Methode den Weg zu etlichen Haushalten gefunden.

Immer mehr Leute beginnen ihren Tag damit als Erstes einen Esslöffel kalt gepressten Öls in ihrem Mund für 5–20 Minuten lang zu ziehen. Traditionell wird Sesamöl , aufgrund seiner zu 44 % mehrfach ungesättigten Linolsäuren verwendet, die vor allem zur Festigung der Zähne beitragen können.

Viele verwenden aber auch natives Kokosöl , weil es geschmacksneutraler und somit angenehmer ist, als Oliven-, Erdnuss-, Distel-, Raps-, Hanf- oder Sonnenblumenöl. Fakt ist aber, dass man all diese Ölvarianten nutzen kann.
In unserem Test haben wir das Alverde Mundziehöl verwendet, aber jeder sollte für sich ausprobieren, mit welcher Ölsorte er am besten zurecht kommt. Es ist schließlich auch eine Frage des Preises, da qualitativ hochwertige Öle sehr teuer sein können.

Das Öl wird im Mund aktiv zwischen den Zahnzwischenräumen hin- und herbewegt. Es muss immer in Bewegung bleiben. Für den Anfang reicht es einen Teelöffel Öl zu nehmen. Wenn man sich dann an den Bewegungsablauf und die Konsistenz des Öls gewöhnt hat, kann man einen Esslöffel verwenden.

Mit diesem mechanischem Vorgang sollen sogenannten „Ama“ – was soviel bedeutet wie Giftstoffe – aus den Schleimhäuten in das Öl übergehen. So kann Karies, Zahnfleischentzündungen und schlechter Atem bekämpft werden.

Anschließend muss das Öl unbedingt in ein Taschentuch gespuckt werden. Dieses sollte immer im Müll entsorgt werden. Wenn das Öl im Waschbecken oder in der Toilette landet, dann kann es die Rohre verstopfen.

Sechs Fragen und Antworten über Ölziehen



Frage 1: Kann Ölziehen bei Asthma, chronischer Müdigkeit, Diabetes, Migräne und Rheuma Abhilfe schaffen?

Durch den Abtransport von schädlichen Bakterien wird das Immunsystem entlastet und der Körper kann die Selbstheilungsprozesse ohne ständige Zusatzbelastung entfalten. Deshalb wird dem Ölziehen nachgesagt, dass es besonders effektiv bei Menschen mit chronischen, entzündlichen Krankheitsbildern wirkt. Diese Wirkung ist aber nicht wissenschaftlich belegt worden.

Das Ölsaugen bewirkt, dass der Kehlkopf offen bleibt und sich Schleim somit besonders gut lösen kann. Deshalb reagieren Menschen mit Atemwegserkrankungen besonders positiv auf die Methode.

Frage 2: Profitiert das äußere Erscheinungsbild wirklich von weißeren Zähnen und reinerer Haut dank Oil Pulling?

Viele Anwender bestätigen, dass ihre Haut reiner und ihre Zähne weißer geworden sind, nachdem sie für einen längeren Zeitraum jeden Tag Öl gezogen haben. Auch hier gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Fakt ist, dass Ablagerungen auf den Zähnen durch das Öl abgetragen werden können. Somit erscheinen die Zähne weißer.

Einige Anwender schwören auch auf die Heilung von Akne durch Ölziehen. Da das Öl sich mit dem körpereigenen Speichel vermengt, entsteht eine milchige Emulsion. Diese nimmt giftige wasser- und fettlösliche Stoffe auf.

Durch die andauernde Saugbewegung wird die Thymusdrüse (auch Gehirn der körpereigenen Abwehr genannt) besonders stark angeregt. Somit ist auch die Lymphaktivität besonders aktiv. So wird das Gewebe gereinigt.

Frage 3: Ist die Methode in Kombination mit einem Zungenschaber effektiver?


Hier können wir eindeutig mit Ja antworten. Wer vor dem Ölziehen die Zunge mit einem Zungenschaber reinigt, der entfernt schon mal den größten Schmutz im Mundraum. Somit kann das Öl alle restlichen Bakterien und Schadstoffe in den Schleimhäuten an sich binden.

Frage 4: Ist es eine gute Maßnahme beim Fasten und sollte man es auch danach noch machen?

Ölziehen wird sehr oft während des Fastens getätigt. Das hat den Hintergrund, dass Schadstoffe besser antransportiert werden sollen.

Das bedeutet konkret: Ablagerungen und Reste von Bakterien, Viren, Medikamenten und Giftstoffe in den Mundzwischenräumen können abtransportiert werden.

Frage 5: Wie oft und wann sollte das Ritual des Ölziehens am besten angewendet werden?

Morgens vor dem ersten Schluck Wasser, Kaffee etc. ist es besonders empfehlenswert Öl zu ziehen. Das hat den Hintergrund, dass der Körper über Nacht Toxine ausscheidet und diese besonders über die Mundschleimhaut abgegeben werden. Wer besonders unter Zahnfleischentzündungen leidet, kann auch mehrmals täglich vor dem Essen das Ritual wiederholen.

Frage 6: Gibt es wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Methode?

Es gibt Studien, die die Wirksamkeit der Methode darlegen. Ob man diesen Glauben schenken möchte, ist jedem Selbst überlassen.

Fakt ist, dass die positiven Effekte auf die Mundgesundheit untersucht wurden. Das hat Dr. HV Amith in seiner Studie im Jahr 2007, welche im Journal of Oral Health an Community Dentistry (Indien) veröffentlicht wurde, getan. Er untersuchte mit seinem Team die Auswirkungen des Ölziehens auf Zahnbelag und Zahnfleischentzündungen (Gingivitis).

Das Fazit seiner Studie ist, dass die Ölzieh Maßnahme genauso effektiv bei Mundgeruch wirkt, wie die Behandlung mit Chlorhexidine.

Außerdem erschien im Jahr 2008 eine Studie im Journal of Indian Society of Pedodontics and Preventive Dentistry, die belegen soll, dass Ölziehen einen positiven Effekt auf die Vermehrung der Bakterienart Streptococcus mutans hat. Diese ist in erster Linie für Karies verantwortlich.

Das große Fazit der Studie: Ölziehen kann als wirksame und vorbeugende Methode zur Aufrechterhaltung der Mundgesundheit beitragen.

Alle wichtigen Hinweise auf einen Blick

  • Man kann jedes kalt gepresste, hochwertige Öl zum Ölziehen verwenden
  • Das Öl sollte auf keinen Fall runtergeschluckt werden, da wir die Giftstoffe nicht in unserem Körper wollen
  • Entsorgt sollte es am besten in einem Taschentuch im Restmüll, wer besonders umweltbewusst agieren möchte, der spuckt die Emulsion in eine Glasflasche und gibt die zum Sondermüll
  • Kinder sollten die Methode nur machen, wenn man ihnen zu verstehen geben kann, dass sie das Öl nicht herunterschlucken sollen (als Richtwert: Kinder ab 6 Jahren)
  • Wer unter stärkeren Beschwerden leidet, der sollte die Methode mehrmals täglich anwenden
  • Es sollte immer mit einem Arzt abgesprochen werden, ob sich die Methode als Unterstützung eignet, wenn es sich um ein schwerwiegendes Krankheitsbild handelt
  • Meine Erfahrungen mit Ölziehen

    Nun kann es an meine Testergebnisse gehen. Vier Wochen lang habe ich die Methode jeden Morgen angewendet.

    Woche 1

    Als ich die Methode das erste Mal anwende, verwende ich erstmal nur einen Teelöffel des Alverde Mundziehöls. Das Öl beinhaltet Sönnenblumenöl, Olivenöl, Sesamöl, Ackerminzöl und Limonene. Es ist viel angenehmer im Geschmack, als ich es mir vorgestellt habe. Der Kostenpunkt liegt bei 4,95€.

    Da ich gelegentlich Leinöl zu mir nehme, was als Omega 3 Quelle angepriesen wird, kenne ich die dickflüssige Konsistenz von Öl im Mund.

    Ich ziehe das Öl 15 Minuten zwischen meinen Zähnen hin und her. Dabei fällt mir auf, wie anstrengend diese ungewohnten Bewegungen für den Kiefer sind. Es ist schon fast wie ein Kieferworkout.

    Nachdem ich das Gefühl habe, dass es erstmal reicht, spucke ich die nun milchige Emulsion in ein Taschentuch. Das gebe ich in den Restmüll.

    Danach putze ich mir wie gewohnt die Zähne.

    Woche 2

    Nach der Eingewöhnungszeit, fällt es mir immer leichter das Ölziehen länger durchzuhalten, als die Male davor. Nun bin ich bei 20 Minuten. Davor schabe ich meine Zunge immer mit meinem Edelstahlschaber ab.

    Was mir auffällt ist die erhöhte Schleimproduktion in meinem Rachen. Dass sich mein Asthma über die Jahre verschlimmert hat und meine Bronchien mehr Mucus produzieren, merke ich besonders daran, dass ich gelegentlich Schleim in meinem Mundraum befindet.

    Durch das Ölziehen werde ich diesen jedes Mal los. Mit diesem Effekt hätte ich nicht gerechnet.

    Woche 3

    Mittlerweile kann ich einen Esslöffel problemlos 20-30 Minuten lang zwischen meinen Zahnzwischenräumen ziehen.

    Das Alverde-Öl ist zwar nicht sehr ergiebig, aber es hat mir den Anfang mit dem Ölziehen sehr erleichtert. Ich versuche es ab jetzt auch mal mit Kokosöl, um zu sehen, wie ich damit zurecht komme.

    Woche 4

    Es ist das erste, was ich jeden Morgen mache: Mein Mundziehritual. Mittlerweile mit nativem Kokosöl, was genauso angenehm ist, wie das fertige Mundziehöl.

    Ich bin wirklich begeistert von der Methode. Meine Zähne fühlen sich viel glatter an. Mein Mundraum erfrischter denn je. Ich kann mir das Ritual nicht mehr aus meiner Morgenroutine wegdenken.

    Aufgrund von Zeitdruck am Morgen habe ich es auch einige Male vergessen und sofort gemerkt, dass mir etwas fehlt.

    Fazit

    Nicht mehr ohne Ölziehen. Obwohl es wenig wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Methode gibt, bin ich persönlich begeistert von dem Ritual. Ich freue mich fast schon jeden Morgen darauf mir Zeit dafür zu nehmen.

    Ein reineres Hautbild habe ich zwar nicht wirklich dadurch bekommen, die Zähne sind auch nicht deutlich weißer, aber alleine das Gefühl danach ist einfach herrlich.

    Ich bilde mir ein, dass ich mich nicht mehr so oft mit Zahnfleischbluten auseinandersetzen muss. Mein Atem ist frischer denn je. Auch am Morgen direkt nach dem Aufstehen.

    Das ist ein Zeichen für mich, dass Bakterien auf natürliche Art und Weise eliminiert werden.

    Meiner Meinung nach ist es die perfekte Ergänzung zum Zähneputzen.